Ein Dartturnier im Kleinen

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Dart – Groß im Kleinen

Es ist ein Freitagabend und ich komme in eine dieser berühmten Berliner Eckkneipen. Ein Bericht über ein Dartturnier sollte es werden, mein Redakteur hatte mich hier her verbannt. Der Raum ist verraucht, auf den kleinen Stehtischen finden sich Biere, ohne Schaum aber kleine Wasserperlen verraten, dass es kühl und genießbar ist. Ich bestelle mir eines, lasse die Atmosphäre auf mich wirken und desinteressiert auf den Beginn des Turniers. Vier Männer haben sich in meiner Nähe eingefunden. Sie begutachten Ihr Equipment und scherzen laut über einen kürzlich beendeten Wettkampf, bei dem einer der anwesenden Akteure nicht besonders gut aussah ‒ dies sollte sich heute ändern.

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dartautomatDer Kneipenwirt ruft zur Zusammenkunft auf und die Augen aller, etwa 35 Mann zählenden, Gäste sind auf die Teilnehmer gerichtet. Ein Mittdreißiger wird zum Schiedsrichter erklärt, dann beginnt das Turnier. Gespielt wird 501, ein Spiel, das ich bisher nur von Hörensagen kenne. Köhler, eine Regionalgröße des Darts, macht den Anfang und trifft gleich zweimal die Triple-Zwanzig, bevor der dritte Pfeil lediglich einen einfachen Faktor dieser Zahl verbuchen kann. Ich bin einigermaßen verblüfft, hatte ich doch bisher gedacht, ein Bull’s eye wäre die Königsdisziplin des Spiels und mit 50 Punkten unschlagbar. Der Automat zeigt es aber deutlich, Triple-Zwanzig subtrahiert 60 Punkte vom Konto des Startenden und das gleich zweimal zuzüglich der zwanzig Punkte im dritten Wurf. Am Ende steht dort in roten Zahlen auf schwarzen Grund nicht mehr die 501, sondern nur noch 361. Anschließend nimmt ein etwas adipöser Mann von etwa 40 Jahren, nachdem er sich mit einem Schluck aus seinem Colaglas gestärkt hat, seine Darts ‒ die dem Spiel Namen gebenden Pfeile ‒ auf, stellt sich auf die mit Isolierband gekennzeichnete Stelle und wirft ebenso gekonnt wie sein Vorgänger auf die Scheibe des Automaten. Als auch er sofort den dreifachen Zählwert der 20 trifft, eine Fläche von nur 0,8 cm Breite, bin ich schwer beeindruckt und längst vom diesem Spiel gefesselt. Die beiden anderen haben weniger Erfolg, einer der beiden, eine hagere und ungepflegte Gestalt ende dreißig vergibt bereits den Start, da er auch beim dritten Wurf nicht mit einem Triple-Treffer einsteigen kann, wie es das Regelwerk unter dem Paragrafen Triple-In vorsieht. Nach drei weiteren Runden, zeigt der Dartautomat, der Fehlern beinahe demoralisierend wegpiept und Glanzleistungen mit Ping-Geräuschen feiert, bei Köhler einen Restpunktestand von 110, Berowski, so der Name des Zweitstartenden, hat noch 138 Zähler auf dem Konto. Zweimal Bull’s eye und dann die Einfach-Zehn, für mich liegt der Fall ganz klar. Als ich das meinem Nebenmann anvertraue, berichtigt der mich abschätzig: „So einfach ist das leider nicht, er muss mit einer doppelten Zahl aufhören; ein Double-Out.“ Niemand in dieser Kneipe ist mehr im Gespräch vertieft, jeder richtet seinen Blick auf den, zu großen Teilen in blau-rot gehaltenen Automaten, die Spannung ist greifbar. Dann geht alles ganz schnell, die Spitzen (auch Points genannt) treffen die Dartscheibe zweimal im Zentrum – 100 Punkte zusammen. Die absolvierte Double-Fünf und die darauffolgende Melodie des Dartautomaten, die wie ein erfolgreich abgeschlossenes Level aus einem 90er-Jahre-Konsolen-Spiel klingt, sind, vom

Beifall übertönt, kaum mehr hörbar. Auch mich hält es nicht auf dem Barhocker, ich schreie mitgerissen vom Jubel laut auf. Der anschließende Versuch des Kontrahenten, mit dem Gegenspieler gleichzuziehen, bleibt ohne Erfolg und findet nach dem ersten der drei Würfe auch kaum noch Beachtung, denn der Pfeil bleibt zu weit rechts und damit in der Eins stecken ‒ das Aus in dieser Runde. Es folgen noch einige, aber der Favorit bleibt Spiel für Spiel ungeschlagen. Ich bestelle mir derweilen noch das ein oder andere Bier und versuche mich später selbst im Darts, als das Turnier vorüber und der Automat frei ist. Ein vortreffliches Spiel, wie ich mit jedem Wurf vermeintlich besser werdend feststelle. An diesem Abend beschließe ich fest, einen solchen Automaten bald mein Eigen zu nennen.